Artler No 16

HOMES & PLACES
Maria Gust • Katharina Reinshagen

Zwei Künstlerinnen, deren Arbeiten sowohl Gemeinsamkeiten als auch spannende Gegensätze aufweisen, bestreiten die 16. Ausstellung der Galerie Artler.

Katharina Reinshagens bevorzugtes Medium ist Pastellkreide, mit der sie auf Papier in Lübeck oder auf Reisen Gesehenes auf ihre Weise festhält.

Sie fängt stille Straßenwinkel genauso ein wie den Blick über die Dächer von Lucca. Stühle vor einem Restaurant lassen an laue Sommerabende mit Freunden beim Wein denken. Andere Szenerien wirken gottverlassen und dennoch in ihrer Tristesse geheimnisvoll, erinnern an Sequenzen aus Filmen wie „Paris, Texas“ oder „Out of Rosenheim“. Besonders hervorzuheben ist der gemeinsame Nenner der Bilder, denn fast alle sind mit einem dunklen Himmel angelegt. Es entsteht ein Kontrast zu den wenigen Lichtern, und damit schafft es die Künstlerin, ganz eigene Stimmungen zu erzeugen, denen die Stille förmlich innezuwohnen scheint.

Auf ihren Bildern sind keine Menschen zu sehen, und doch berührt die Künstlerin mit ihren Szenen aus Stadt oder Provinz zwei gegensätzliche Pole im Menschen: Einerseits das Bedürfnis nach einem Zuhause, einer vertrauten Straßenecke oder einem Licht als Orientierung, andererseits spricht sie mit starken Perspektiven unser Fernweh an und zieht den Blick weit ins Land.

Das Licht als Orientierung …. hier liegt eine der Verbindungen zu den Arbeiten von
Maria Gust. Ganz deutlich wird das in dieser Ausstellung mit den beiden Werken, die die Künstlerinnen bewusst nebeneinander gehängt haben.
Wo Licht ist, da ist Wärme und Schutz.

Während es Katharina Reinshagen durchaus wichtig ist, ganz bestimmte Gebäude bzw. Orte malerisch einzufangen, geht es bei Maria Gust eher darum, sich mit den physischen und ideellen Werten dieses Sujets für den Menschen zu befassen.

Eine Unterkunft bedeutet Schutz und Rückzugsmöglichkeit. Gleichzeitig ist es auch ein Ort, der als Zuhause die Basis für Kontakte zu Nachbarn oder Freunden bietet. Für viele Menschen hat ein dazu gehöriges Grundstück auch heute noch (oder wieder) das Potential, sich mit selbst angebauter Nahrung zu versorgen.
Die Künstlerin ist unter anderem durch die Nachrichten über die großen Fluchtbewegungen zu dem Thema „homes & places“ gekommen, denn hier mussten Menschen ihre Häuser und Plätze verlassen und ein neues Zuhause finden. Ein zutiefst existentielles Thema also, dem sie sich in abstrahierender Malweise nähert.

Ihre Technik orientiert sich nach dem Geschehen auf dem Bild. Es wird gemalt, gespachtelt, gekratzt, gedruckt … aufgebaut, zerstört und wieder aufgebaut. Häufig lässt sie Elemente der verschiedenen Bildebenen stehen, um den Prozess der Veränderung im Werk sichtbar zu lassen. Denn neben dem sichtbaren Thema ist ihr auch das Spiel mit den unendlichen Möglichkeiten von Farbe, Form und Struktur mindestens genauso wichtig. (mk

Eröffnung:
Samstag, 4. März 2O17 um 17 Uhr
Einführung der Wortwerkerin HannaH Rau

Künstlergespräche
Maria Gust: Samstag, 18. März 2O17
Katharina Reinshagen: Samstag, 25. März 2O17

Ausstellungsdauer bis zum 1. April 2O17
Donnerstag und Freitag 17–19 · Samstag 12–14 Uhr

Artler • Große Burgstraße 32 • 23552 Lübeck • 0175 5209777